Schönes Wetter wollen alle und die Liste mit den ganz "besonderen" Orten kann man dank bester Reiseverbindungen auch durch einen Kurztrip "abhaken". Super, aber zur Hauptsaison (meist im Sommer) hat man woanders deutlich mehr Spaß. Denn anscheinend möchten alle zur gleichen Zeit an diese Orte fahren.

Das gilt zwar im Prinzip für viele bekannte Kultur-Metropolen und historische Altstädte. Doch diese bekannten Orte sollten Sie am ehesten meiden, zumal sich  fast überall Alternativen anbieten. Um sich selbst und nicht zuletzt auch den Orten einen Gefallen zu tun. Zumindest zur Hauptsaison:

 

Palma de Mallorca

palma de mallorca bei nachtPalma de Mallorca bei Nacht © Antonio Gravante/Fotolia

Mindestens schon ein Jahrzehnt wird vor der "Überfüllung Mallorcas, speziell im Osten der Insel gewarnt. Doch bisher hat sich noch zu wenig verändert. Die Versuche, mehr Klasse statt Massen-Tourismus zu etablieren, sind zumindest an der von Hotels gesäumten Küste vom Nordosten bis hinunter zur Hauptstadt Palma noch nicht recht angekommen.

Bis auch hier Proteste gegen zu viel Tourismus begannen, inklusive „Tourist go home“ Parolen auf Häuserwänden und Klagen über neudeutsch "Overtourism". Das bekommen Reisende, die direkt vom Flughafen ins Hotel und wieder zum Flieger gebracht werden, zwar oft gar nicht mit. Doch speziell für die Party-Urlauber rund um Palma de Mallorca könnte es langsam eng werden. Die Insel-Regierung wird nicht umhinkommen, immer mehr Einschränkungen bei der Vermarktung bzw. Verteuerungen über Gebühren für Besucher einzuführen.

Alternative? Wer als echter Mallorca-Fan auf seine Lieblingsinsel nicht verzichten möchte, sollte speziell in der Zeit zwischen Mai und Mitte September eher in den Norden und Westen Mallorcas fahren. Auch hier gibt es viele Touristen, die Lage ist aber oft deutlich angenehmer als in Palma oder an der Ostküste. Oder Inselalternativen erkunden: Wie wäre es mit der deutlich weniger bekannten Nachbarinsel Menorca?

Venedig zur Hauptsaison - Overtoursim pur

Die Faszination einer einzigartigen Architektur und romantische Kanälen geben Venedig sein unverwechselbares Ambiente. Doch der hohe Anteil an Tagestouristen und die Belastung durch die riesigen Kreuzfahrtschiffe, die täglich durch den Guduecca-Kanal fahren, sorgt für Touristenmassen. Man sieht den Ort vor lauter Reisegruppen nicht mehr. Spaß macht das wirklich nicht. Außer einem Selfie mit Palazzo im Hintergrund nehmen viele Sommer-Besucher kaum an positiven Eindrücken mit.

Alternative: Wenn es gar nicht ohne Venedig geht, wegen Romantik und so: In der Lagune liegen mehrere Inseln. Auf Torcello, La Guidecca oder Murano ist der Tourismus noch mehr in der Balance mit dem Leben vor Ort. Von hier kann man sich die besten Zeiten aussuchen, um Venedig für einen Ausflug anzusteuern. Geld sparen, in der Nebensaison für mehrere Tage in der Gegend bleiben. Dann kann man die ruhigen Abende genießen und früh morgens die Stadt sehen, wie sie ist: Einfach schön.

Mailand + Florenz - voll auch ohne Schiffe

Wahrscheinlich ist die illustre Mischung aus Weltkulturerbe-Bauten, Mode-Zentrum mit Shopping-Appeal und die allzeit günstigen Flugverbindungen eine "Bomben"-Mischung. Egal, ob man sich für Kunst interessiert, hier ein langes Wochenende verbringt oder sich per Flug die lange Anfahrt in den Italien-Urlaub spart. Alle landen in Mailand. Alle wollen Florenz sehen. Im Frühjahr und im Herbst hält sich die Beliebtheit noch die Balance zu Platz und verfügbare  touristischen Highlights. Im Sommer ist es heiß und voll. Kann man machen, doch Italien hat noch so viel mehr zu bieten. 

Alternative? Eindeutig das ländliche Italien. Wer mehr möchte: Einen großartigen Dom kann zum Beispiel auch Como bieten, ein mondänes Ambiente und den tollen See gibt es (leider nicht kostenlos) dazu. Entfernung zu Mailand - ca. 50 Kilometer.

Barcelona - Overtoursim mit Auswirkungen für Einheimische

Barcelona wird so von der Touristenliebe aus der ganzen Welt erdrückt, dass immer mehr Einwohner die Grenze des Erträglichen überschritten sehen. Rasant steigende Mieten und immer weniger Wohnungen für Einheimische sind dabei ein wichtiger Faktor. Man wohnt nicht mehr in einem lebendigen Viertel, sondern wird zunehmend zur menschlichen Kulisse für AirBnB-Tourismus. Weil die Vermieter mit Touristen blendende Geschäfte machen viele Wohnungen so vom Markt nehmen.

Als Grund für die Beliebtheit gilt auch bei Barcelona die gute Erreichbarkeit mit Flugzeug und Kreuzfahrtschiff sowie die große Zahl an sehenswerten Bauten. Doch wer die Werke des Architekten Antonio Gaudí von innen sehen will, muss schon vorher buchen, um eine Chance zu haben, nach Schlangestehen in großen Gruppen durch die Bauten geschoben zu werden. Barcelona ist zum Symbol geworden, wie ehemalige Traumstädte unter dem neudeutschen Schlagwort "Overtourism" leiden.

Alternative? Jein. Ein Barcelona mit nur überschaubar vielen Touristen ist schwer zu ersetzen. Doch man tut sich und der Stadt etwas Gutes, wenn man höchstens zur Nebensaison dorthin reist. Wer weniger an Barcelona selbst sondern vor allem am Künstler Gaudí interessiert ist: Mal googlen, wo es in Spanien noch bekannte "Gaudí "-Ziele gibt. Wer beispielsweise Comillas in Kantabrien westlich von Santander besucht, bekommt Gaudís Villa Quijano und einen auch ansonsten sehenswerten Ort direkt am Meer zu sehen.

Dubrovnik

dubrovnikDubrovnik in Kroatien © cescassawin/Fotolia

OK, zugegeben, Dubrovnik im kroatischen Dalmatien galt schon immer als ein Muß für Kroatien-Reisende. Wenn Sie denn auf ihrer Tour überhaupt bis hinunter in den Süden kamen. Vielen reicht die bequem kürzere Anreise bis in das nördlich gelegene Istrien und die Kvarner Bucht. Doch dass der andauernde Erfolg einer Kult-Serie ein echter Faktor für die immer weiter steigende Zahl an Besuchern ist, dass können nicht viele Städte von sich behaupten. „Game of Thrones“, das teilweise in Dubrovnik gedreht wurde, hat eindeutig zur Bekanntheit beigetragen und lockt vor allem jüngere Fans.

Doch hier wie auch in Venedig und Barcelona sind vor allem auch die Tagestouristen, die jeden Tag in Scharen von den Kreuzfahrt-Schiffen in die Altstadt Dubrovniks strömen, ein noch wichtigerer Faktor. Wohnen wird hier fast unmöglich. Inzwischen gibt es Initiativen, Teile der Altstadt für Touristen zu sperren, damit Einheimische hier weiter ein halbwegs normales Leben führen können.

Weiterer Druck zur Veränderung kommt von der Unesco. Sie droht, der Altstadt von Dubrovnik den Welterbe-Status abzuerkennen, wenn die Zahl der Touristen nicht unter Kontrolle gebracht wird. Entsprechend sollen die tägliche Anzahl an Besuchern und Anlegegenehmigungen für Schiffe deutlich reduziert werden. Trotzdem: Juli und August sowie zur Sommersaison generell die Wochenenden sind definitiv keine Empfehlung für Besucher.

Alternative? Diverse entlang der Küste, z.B. die ebenfalls im Süden gelegene kroatische Stadt Split. Günstiger, weniger Besucherandrang, mehr Platz und touristisch ebenfalls interessant. Zum Beispiel mit dem durch den übrigens auch als Weltkulturerbe geltenden Diokletianspalast.


Siehe auch: Welches Reiseportal passt für meine Wünsche am besten?


Amsterdam

Der besondere Zauber von Städten, die von kleinen Wasserstraßen durchzogen sind, ist kein italienisches Phänomen. Auch Amsterdam ist nicht nur zur Sommerzeit ein beliebtes Ausflugsziel, direkt oder als Abstecher bei Holland-Urlaubern. Doch Venedig kann sich hier eventuell einiges abschauen. Die Stadtverwaltung in Amsterdam versucht nun aktiv, die Verträglichkeit im Sinne eines fairen Urlaubs mit zu steuern.

  • In vielen Stadtteilen werden keine neuen Hotels oder weitere touristische Geschäfte mehr genehmigt.
  • Die Einkaufsstraßen sollen vom Angebot auch für die Bewohner attraktiv bleiben.
  • Wohnungen dürfen über Plattformen wie Airbnb nur noch für höchstens sechzig Tage im Jahr vermietet werden.
  • Die Anlegestellen für die beliebten Grachten-Rundfahrten sollen aus dem Zentrum verlegt werden.

Wann Amsterdam? Für die Sommermonate braucht man trotz aller Bemühungen noch gute Nerven in der Altstadt haben. Wer es einrichten kann, ist mit der Nebensaison besser beraten.

Reykjavík

Ganz Island hat seit Jahren das Problem, dass im Sommer eine immer größere Zahl an Besuchern auf der Suche nach unberührter Natur in Mietwagen über die Insel kurvt. An touristischen "Hotspots" wie bekannten Geysiren kann das schon zur zu einer Art Rush Hour führen. Doch besonders die relativ kleine Hauptstadt Reykjavík stöhnt im Sommer unter einer geradezu explodierenden Zahl an Kurzzeit-Touristen. Nicht zuletzt durch die Beliebtheit für Rreisende, die mit isländischen Fluglinien zwischen Europa und Nordamerika einen Zwischenstopp einlegen.

Alternative? Wenn man die Hauptstadt und die Top-Tourismus-Ziele weitgehend meidet, kann der Zwischenstopp im Sommer deutlich angenehmer werden. Wer als Hauptziel nach Island möchte, sollte überlegen, ob innerhalb der relativ kurzen Urlaubssaison, eine Unterkunft außerhalb Reykjavíks nicht mehr Insel-Flair und entspanntere Urlaubstage versprechen.

Hallstatt / Österreich

Nicht nur große kulturelle Metropolen und die Etappenziele von Reisebussen und Kreuzfahrtschiffen haben ein Problem. Besonders idyllisch, landestypisch und dann noch Weltkulturerbe kann eine ziemlich nachteilige Kombination sein. Zumindest wenn man Hallstatt heißt, am gleichnamigen See idyllisch gelegen und gut per Bus zu erreichen ist. Zugleich für europäische Tagestouristen als Zwischenstopp auf der Österreich-Tour als auch für amerikanische und besonders asiatische Besucher, die hier quasi das alpenländische Klischee kurz abfilmen und weiter hetzen.

Im Gegensatz zu den bayerischen Neuschwanstein-Gegenstück, dass etwas außerhalb von umgebenden Orten liegt, kommt in Hallstadt die Infrastruktur des auf knapp 800 Einwohner ausgelegten Ortes an die Grenze. Zumindest bei knapp einer Million Tagestouristen und etwas unter 20.000 Reisebussen im Jahr.

Alternative? Große Teile Österreichs und ein Abstecher nach Hallstadt in der Nebensaison. Spart Nerven und macht mehr Spaß ;-)

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